UMSETZUNG UND VERÄNDERUNGSMANAGEMENT

Zum Selbstverständnis unserer Wirtschaft gehört die Veränderung. Auch aus den Medien, aus Politik und Kulturbetrieb hört man immer wieder, dass es ganz unzweifelhaft modern sei, sich veränderungsbereit zu zeigen. „Du musst dein Leben ändern“ – unter diesem Titel etwa meldet sich die zeitgenössische Philosophie zu Wort. Diese Worte stammen ursprünglich aus der Dichtung. So wie sie heutzutage benutzt werden, könnten sie zu den Lebensanweisungen einer Sekte passen. Man kann sie aber auch als eine nüchterne und gleichzeitig aufrüttelnde Feststellung interpretieren, mit der man sich persönlich in einer bestimmten Lebensphase oder mit der sich ein Unternehmen in einem bestimmten Moment seiner Entwicklung konfrontiert findet.
Beliebt ist Veränderung in Gestalt der kleinen Verwandlung; etwa so, wie sie auf dem Smartphone, am Bildschirm oder im Heimkino abläuft. Da darf Vieles geschehen und alles Mögliche kann dabei irgendwie interessant werden – die Welt im Unterhaltungsformat. Beim Sitzen aber kommen Veränderungen kaum in Gang. Oft vermeidet man sie und es erscheint vernünftig, so lange wie möglich bei dem zu bleiben, was man hat und kennt. Bei näherer Betrachtung verhält es sich sogar so, dass Veränderung eher gehasst und gefürchtet als geliebt wird. Warum auch sollte man vertraute Umgebungen und Abläufe einfach hinter sich lassen? Lieber mit dem Gedanken an Veränderung spielen als eine Veränderung durchmachen.
Person berührt Wasser mit der Hand
Gewohnheiten jedoch können langweilig werden. Über lange Zeit gepflegte Strukturen weisen mit einem Male kleine, zunehmend größer werdende Bruchstellen auf. So stehen doch wieder Fragen nach Veränderung vor der Tür: Lässt sich ein bisher erfolgreiches Konzept so umstellen, dass es erfolgreich bleibt? Wie geht man ein Projekt an, mit dem sich Abläufe und Organisationsformen wirklich erneuern lassen? Was alles muss für eine erfolgreiche Produktentwicklung getan werden?

Der Ruck, der durch eine Mannschaft, durch ein Unternehmen oder die ganze Gesellschaft gehen soll, passiert selten auf einen Rutsch. Wenn es ihn gibt, ist man überrascht, weil ihn niemand kommen gesehen hat. In dieser Besonderheit steckt ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal: es sind eher die unscheinbaren steps, die eine Veränderung wahrscheinlich machen, als die laut angekündigten Interventionen.

Um einen Umsetzungsprozess anzugehen, muss man ein Ziel vor Augen haben. Vor allem aber ist es wichtig, besonnen und vorantastend vorzugehen und dabei auch ein gewisses Maß an Unbeholfenheit nicht zu scheuen. Wer dagegen einen Veränderungsprozess lieber mit einem „Startschuss“ beginnt, der pusht insgeheim die Vorstellung, dass sich ein solcher Prozess binnen kurzem auf Höchstleistung, Effizienz und „Linie“ bringen lasse. Von fest installierten, tausendfach erprobten Abläufen und Maschinen darf man solche Perfektion erwarten. Veränderung als etwas, das gerade erst im Entstehen ist, kann man dagegen nicht trainieren; man kann sich nur auf sie einlassen, sie auf ihre Konsequenzen und Chancen abschätzen und dann seine Kräfte darauf konzentrieren. Wer also eine Projektentwicklung unbedingt mit einem Startschuss beginnen will, der sollte auch auf der Rechnung haben, dass manche Beteiligte unmittelbar „aufgeweckt“ reagieren und sich gegen das Projekt in Stellung bringen.

Um Veränderungen zu initiieren, braucht es erste Schritte, die das Aufkommen von Skepsis und Ängsten in Grenzen halten. In den allermeisten Fällen sind diese Ängste zwar verborgen, werden im Verlaufe einer Projektentwicklung aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Ausdruck kommen. Deshalb ist es ratsam, zunächst eine Projektverfassung herzustellen, auf die sich möglichst viele Beteiligte einlassen können. So sind sie eher bereit, sich mit ersten Informationen darüber auseinandersetzen, wie ein veränderter Ablauf, ein Markt oder ein Unternehmen in Zukunft vorzustellen ist. Dann haben sie auch ein größeres Interesse, sich probehalber damit zu beschäftigen.

Im Grunde sind es Übergänge, die den nächsten Entwicklungsschritt möglich machen. Diese Übergänge ergeben sich vor allem aus dem Stil und der Atmosphäre einfacher Maßnahmen, z.B. des Informierens und Besprechens, auch des Umgangs mit Skepsis und Rückschlägen. Immer geht es dabei darum, die naheliegenden Dinge zu tun – Schritt für Schritt. Dies gilt insbesondere dann, wenn etwas auf den ersten Blick fern, fremd oder unerreichbar scheint. Bei Veränderungen kommt es darauf an, mit einer Sache so vertraut zu werden, dass man den Kontakt zu ihr nicht mehr verlieren mag.

Besser eine Veränderung einfädeln, als mit ihr zu drohen.
WIRKUNGSABSCHÄTZUNG
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